Denunziantentum

Ich bin so glücklich darüber, dass seit gestern Mittag mein Gustav wieder zu Hause ist. Das er das ist, hat mich sehr viel Nerven gekostet. Eigentlich wollte ich ihn ja schon Mittwochabend nach Hause holen, doch da wurde uns ja mit Jugendamt und Polizei gedroht, wenn wir das tun würden. Um dem vorzubeugen haben wir zugestimmt, dass er noch eine weitere Nacht bleibt.

Am Donnerstagmorgen um 7:00 Uhr war ich dann pünktlich im Krankenhaus um zu stillen und Gustav dann zu holen. Wenn ich gewusst hätte, dass dann ein weiterer Psychoterror beginnt, hätte ich mir Stephan als Verstärkung mitgenommen. Erst einmal sind die Ärzte mit einstündiger Verspätung zur Visite gekommen. Sie standen dann zu dritt vor meiner Liege und immer wieder haben sie darauf rumgehackt, dass der Gustav gar nicht vom Wickeltisch fallen könnte. Irgendwann wurden mir die fadenscheinigen Unterstellungen zu viel und ich habe dann gefragt, ob sie von mir hören wollen, dass Stephan den Gustav mit Absicht gestoßen hat und ich meinen Mann nun decken will. Da bekam der Assistenzarzt einen roten Kopf und meinte, dass es viele Väter gebe, die dass mit Absicht machen würden. Ich bin schier vom Glauben abgefallen, dass sie ernstlich glaubten, dass mein Partner das absichtlich getan hat.

Hinzu kam, dass sie mir vorhielten, dass ich mein Kind eher aus dem Krankenhaus holen wollte und fragten nun nach dem „Warum“. Ich habe ehrlicherweise gesagt, dass ich mich durch die ständige Fragerei der Schwester nicht mehr wohl gefühlt habe und dass es mir nicht gut ging. Hinzu kam die Abstellkammer mit der Liege, wo sie mich mit Gustav untergebracht hatten. Sie sagten mir dann ins Gesicht, dass es nicht wichtig ist, wie es mir geht und sie nur das Wohl des Kindes im Auge haben. Mir ist bei dieser Aussage die Luft weggeblieben, denn zum einen habe ich durch die offensichtlichen Anschuldigungen erst gar keine Milch mehr gehabt, dann hat sich meine Brust sehr stark entzündet und ich habe seit Dienstag 5 kg abgenommen. Und wenn es mir schlecht geht, geht es meinem Kind auch nicht gut. Irgendwann haben Sie dann die Fragerei beendet und haben mich dann noch 3 Stunden schmoren lassen, bis sie die Abschlussuntersuchung und den Abschlussbericht fertig hatten und ich endlich um 11:30 Uhr mit Gustav gehen durfte. Sie haben mich dann noch gebeten, einen Tag später, also heute zum Kinderarzt zu gehen, um noch einmal Gustav untersuchen zu lassen. Ich habe daraufhin gleich einen Termin bei einer Kinderärztin in Wurzen ausgemacht, wobei ich nur die eine Möglichkeit hatte, da die andere Kinderärztin in Urlaub ist. Als ich dann heute Morgen dort war, hat die Ärztin mir gleich erzählt, dass die Chefärztin vom Krankenhaus schon angerufen hat, um zu kontrollieren, ob ich auch wirklich komme. Ich war echt von den Socken.

Aber das dickste Ei kommt noch. Wir waren kaum eine Stunde zu hause, klingelt es. Und wer steht vor der Tür: das Jugendamt. Die Damen waren ja ganz nett und umgänglich, aber ich bin entsetzt, wie man unschuldig in die Fänge der Behörden gerät. Jetzt haben wir eine Akte und sind sozusagen „vorbestraft“. Die Damen fragten uns dann auch noch einmal, wie es passiert ist, guckten sich unser Bad mit Wickeltisch und unsere “Wohnverhältnisse” an. Da wir uns normal artikulieren können und es uns nicht an Bildung fehlt, waren sie nach 10 Minuten wieder weg. Ich hatte mich dann noch bei den beiden über die Verhältnisse und Anschuldigungen im Krankenhaus beschwert. Sie nahmen das zwar zu Kenntnis, aber das sich dort mal was ändern wird, ist eher unwahrscheinlich. Wenn es nach meiner Familie ginge, sollte ich die Ärzte wegen Verleumdung anzeigen. Aber ich will meine Nerven schonen und die Sache auf sich beruhen lassen. Vielleicht ist das ein Fehler, ich weiß es nicht…

Wären wir mit Gustav ganz normal zu einem Arzt gefahren, wie es Freunde von uns in einer ähnlichen Situation taten, wäre gar nichts passiert. Aber das Krankenhaus hat uns als schlechte Eltern denunziert, die ihren Sohn absichtlich vom Wickeltisch stoßen. In welcher Welt leben wir?

Wir lieben unseren Sohn über alles und sind sofort ins Krankenhaus gefahren, weil wir so eine Angst um ihn hatten. Wenn Sie sich doch mal um die Eltern kümmern würden, die Ihre Kinder verwahrlosen und verhungern lassen. Oder die Mütter die ihre Kinder töten. Ich bin derartig entsetzt darüber, was uns passiert ist und werde wohl noch eine Weile brauchen, um diese Geschichte zu verarbeiten…

3 Antworten zu “Denunziantentum”

  1. suse sagt:

    Ojeee, lasst Euch mal ganz fest drücken. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie es Dir geht, wir mussten ja auch mit Frida eine Nacht im Krankenhaus verbringen und da habe ich auch nur noch geheult. Die ganzen Untersuchungen an so einem kleinen Baby… schlimm. Zum Glück konnte ich die ganze Nacht dabei bleiben, habe Essen bekommen und wurde sehr nett behandelt. Ne Milchpumpe hatten die natürlich auch, sogar eine elektrische. Was die Unterstellungen angeht, vielleicht müsst ihr an die schlimmen Fälle denken, wo wirklich Kindern Böses angetan wird - ihr habt ja nichts zu verbergen, denen würde aber ansonsten niemand helfen. Habt Ihr schon Sab Simplex gegen die Blähungen gegeben? Ansonsten kann es wirklich sein, dass er halt am liebsten auf Eurem Schoss ist - er kennt ja die Welt noch gar nicht und da ist es fast so schön warm und kuschlig wie im Bauch. Knuddel den Kleinen! Und danke für die schöne Karte!!!

  2. suse sagt:

    Oh, und ich finde es ganz richtig, dass Ihr gleich ins KH seid. Wenn Gustav wirklich etwas gehabt hätte, wärt Ihr da 100x besser aufgehoben gewesen als beim Kinderarzt. Wir sind ja damals mit Frida auch gleich zur Notaufnahme und ich bin sehr froh darüber, auch wenn ich sie im ersten Moment am liebsten wieder mitgenommen hätte, weil es die ganz normalen Schwestern waren, die auch Armbrüche usw. behandeln und alles total langsam ging und mir kaum etwas gesagt wurde *grusel*

  3. Das 1×1 des Stillens « Baby Blog sagt:

    [...] kamen die berühmten drei Psychotage im Krankenhaus. Erst blieb meine Milch weg, dann kam sie wieder, aber meine Brustwarze entzündete [...]

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